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Das „Haus Buchegger“ und sein Garten bzw. das „Architekturmuseum Schwaben“ und sein Skulpturengarten stehen gegenwärtig in Bezug auf Nutzung und Ausdruck in einer ungeklärten Verbindung zueinander. Die Ausstellungsräume des Museums befinden sich derzeit im historischen Wohnbereich des Altbaus auf dem Niveau der Theolott-Straße. Der parkartig wirkende Garten, auf Keller-Niveau liegend, wird über eine ungestaltete Rampe entlang der Nord-Ost-Fassade erreicht. Eine räumlich gestaltete Verbindung zwischen Innenräumen und Garten ist auch im Sinne einer musealen Erfahrung aktuell nicht vorhanden.

In unserem Vorschlag überwindet der Neubau für die Erweiterung des Architekturmuseums die Grenzen zwischen Haus und Garten, ohne dem Altbau seinen dominierenden Charakter zu nehmen. Der Garten wird zugänglich und räumlich wie funktional Bestandteil des Museums.

In Sebastian Bucheggers Eingabeplänen von 1906 waren neben der Tür aus der heutigen Werkstatt zwei weitere Zugänge in den Garten geplant. Auch das Interesse von Frau Buchegger, den Garten als sog. Nutzgarten zu bewirtschaften, lässt annehmen, dass der Garten mehr als nur ein Schaugarten, vielmehr Teil eines Gesamtkonzepts war. Somit ist die Idee, Haus und Garten zusammenzuführen, nicht neu, sondern wird wieder aufgenommen und verstärkt.

Setzung und Außenraum

Die Museumserweiterung liegt auf Gartenebene als eingeschossiger Neubau vor der Gartenseite des Altbaus. Das enge Baufenster zwischen dem Altbau und dem westlichen Nachbarn bleibt damit frei, und die charakteristische lockere Bebauung der Wohnhaus-Kolonie im Thelottviertel wird durch den Neubau nicht beeinträchtigt.

Der flache Baukörper ordnet sich dem Altbau unter, er entwickelt durch seine einfache Form eine eigene Kraft und Prägnanz. Der Neubau erstreckt sich von Grundstücksgrenze zu Grundstücksgrenze. Das Dach als wesentliches Bauteil überspannt den großen Ausstellungsraum und die beiden seitlichen Durchgänge zum Garten. Die relativ flache Dachneigung folgt dabei dem Verlauf des Geländes. Vom Garten aus lenkt das Dach den Blick auf die historische Fassade. Im Gegenzug führt die schräge Dachaufsicht den Blick aus dem Haus Buchegger in den Garten.

Eine offen gehaltene Fuge zwischen dem neuen Ausstellungsraum und dem Altbau ermöglicht die Wahrnehmung von Kubatur und Fassaden des Bestands. Die Längsseiten des Neubaus sind transparent gestaltet und ermöglichen den Durchblick. Die bestehende Gartenfassade des Altbaus bleibt auf diese Weise in vollem Maß erfahrbar.

Die Strassenseite des Altbaus bleibt unverändert. Der bestehende Ausgang in dem westlichen, erkerartigen Anbau wird zum neuen Museums-Zugang aufgewertet. Durch eine leichte Modellierung des Geländes im Vorgarten wird dieser Zugang auch barrierefrei erreichbar. Vordach, Fahnenmast und Sitzbank markieren zusätzlich den neuen Eingang. So entsteht in Verbindung mit dem bestehenden Hauseingang ein der Eingangssituation eines Museums angemessener Vorplatz.

Der später angefügte Loggia- und Balkonanbau in der Süd-West-Ecke des Altbaus wird abgebrochen. An seiner Stelle wird ein Aufzug als Gelenk zwischen Altbau und Neubau eingesetzt. Diese Position ermöglicht die barrierefreie Anbindung aller Geschosse - wenn gewünscht, sogar des 1. OGs. In Form und Material gehört dieses Bauteil eindeutig zum Neubau. Seine runde Form berührt das historische Haus nur punktuell und lässt die ursprüngliche Kubatur des Hauses wieder dominieren.

Innenraum und Weg durch das Museum

Das Museum wird über ein Foyer im bestehenden, erkerartigen Anbau im Westen betreten. Der vieleckige, helle und charaktervolle Raum stimmt die Besucher ein und vermittelt zwischen den historischen, stark ausgeschmückten Buchegger-Räumen im Altbau und dem offenen, grossflächig verglasten Ausstellungsraum im Neubau. Das Foyer ist einfach möbliert und gewährleistet damit die Eingangs- und Empfangsfunktionen. Gleichzeitig liegt es in der Schnittstelle zwischen den Räumen der Dauerausstellung im Altbau und dem neuen Ausstellungsraum auf Gartenebene. Die einzelnen Ausstellungsbereiche des Museums können damit auch flexibel zugeschaltet oder abgetrennt werden. Ein weiterer Vorteil ist die räumliche Nähe zu bestehenden Funktionen, wie Teeküche, Mitarbeiter WC und Arbeitsräume.

Die bestehende Treppe erschließt sämtliche Bereiche des Museums. Der neue Ausstellungsraum ist direkt vom Foyer aus über den Aufzug oder beim Durchwandern der Dauerausstellung über die Bestandstreppe erreichbar. Das Erlebnis des Hauses Buchegger als Teil der Ausstellung wird dadurch verstärkt. Am Fuß der Treppe führt ein trichterförmiger Übergangsraum in den Neubau.

Der Neubau wird auf dem Niveau des bestehenden Gartengeschosses betreten. Der Besucher erhält einen ersten orientierenden Überblick über den wenige Stufen tiefer liegenden Ausstellungsraum. Die der schrägen Dachneigung folgende Deckenuntersicht lenkt und konzentriert den Blick auf die Exponate. Auch bei der Bewegung durch den grossen Ausstellungsraum dient das schräge Dach als stiller Vermittler und lenkt den Blick nach oben zur Fassade des historischen Hauses. Entlang der südlichen Fassade weitet sich der Blick in den Garten.

Im Nord-Osten kann die Anlieferung von aussen über eine neugestaltete Rampe überdacht und schwellenfrei direkt in den Ausstellungsraum erfolgen.

Ausstellungskonzept

Der Ausstellungsraum ist als ein großzügiger, längs gerichteter Raum konzipiert. Er wird mittig betreten und kann durch veränderbare Drehwände gegliedert werden. Die Drehwände lassen unterschiedliche Raum- bzw. Ausstellungskonzepte zu: von einem großen ungeteilten Raum bis hin zur kleinteiligen, kabinettartigen Raumfolge. Bei den vorgeschlagenen Raumteilungen bleibt die Fassade beidseitig frei. Somit können Altbau und Garten stets als Teil der Ausstellung mitinszeniert werden.

Die Intensität der gartenseitigen Lichteinstrahlung wird durch einen ausgeprägten Dachüberstand abgefangen. Über die matt reflektierende Dachuntersicht verteilt sich Streulicht in den Raum. Kunstlicht kann flexibel zugeschaltet werden. Blendungen können je nach Ausstellungs-Konzept durch einen textilen Vorhang entlang der Glasflächen abgehalten werden.

Der Raum in seiner Form und Atmosphäre soll die Exponate nicht überhöhen, sondern in einen spannenden Kontext stellen. Es ist ein Atelier-Raum, der zum Experimentieren und Denken anregt - ganz im Sinne des Studios, das schon Buchegger im Gartengeschoss mit Blick ins Grüne nutzte.

Garten

Neue Sitzstufen ergänzen die vorhandene zu einer fließenden Modellierung der Streuobstwiese. Das in Richtung Haus fallende Gelände gewinnt dadurch an Dramatik und Nutzbarkeit. Kleine, informell befestigte Inseln zwischen den Obstbäumen bieten Gelegenheit zum Aufstellen von Objekten und zum Niederlassen beim Gang durch den Skulpturengarten.

Beim Gang um das Haus Buchegger herum und durch den alten Garten wechselt das Verhältnis von Vordergrund und Hintergrund. Der Altbau und der Ausstellungsraum werden zur spannenden Kulisse. Die transparente Fassade des Neubaus gewährt Einblicke in den Ausstellungsraum und Durchblicke auf das Bucheggerhaus.

Reduktion des Raumprogramms und Variante

Im Sinne eines respektvollen Umgangs mit der Gesamtkonzeption Bucheggers wurde eine Lösung gesucht, die Änderungen an der Bausubstanz auf ein sie in ihrem Wesen erhaltendes Maß beschränkt. Der Aufzug ist das einzige 2-geschoßige neue Bauteil. Dieser und der Übergang zum Neubau auf Gartenebene bilden die einzigen Anschlusspunkte an den Bestand. Eine zusätzliche Treppe im Neubau ist nicht notwendig.

Das Baufeld wird nur geringfügig nach Süd-Osten hin überschritten. Der Dachüberstand kann die Grenzen des Baufeldes als untergeordnetes Bauteil überschreiten. Die baustrukturellen Kapazitäten des Altbaus wurden ohne substantielle Veränderungen am alten Tragwerk ausgenutzt.

Alle geforderten Räume sind untergebracht. Der Seminarraum erfüllt mit 28qm nicht die geforderte Raumgröße. Der Ausstellungsraum ermöglicht jedoch die Abtrennung und Bestuhlung eines Seminarraumes in der gewünschten Größe. Das Backoffice ist nicht als abgetrennter Raum vorgesehen, sondern wird als Möbel im Foyer integriert. Die untergeordneten Räume (Depot, Stuhllager und Technik) sind im Untergeschoss des Neubaus geplant.

Die Variante auf Blatt 8 stellt zur Diskussion, wie die Baukosten des Untergeschosses umgangen werden können sowie die Erstellung des Neubaus innerhalb des Baufeldes zu gewährleisten ist. Auf ein UG wird in dieser Variante verzichtet, das Depot ist anstelle des bestehenden Schuppens in der süd-westlichen Ecke des Grundstücks vorgesehen. Alle weiteren Funktionen könnten im Bestand integriert werden.

Konstruktion, Nachhaltigkeit und Energiekonzept

Der Ausstellungsraum ist als Holzkonstruktion geplant. Tragende Elemente, Dachkonstruktion und die seitlichen Wandscheiben sind als vorgefertigte Holz-Bauteile vorgesehen. Das Dach wird mit einem reflektierenden Aluminiumblech gedeckt. Es nimmt die Farben der Umgebung auf und verleiht dem Neubau damit eine Selbstverständlichkeit in seinem Kontext.

Teile der langen Glasfassaden können über Schiebeelemente zum Garten hin geöffnet werden und ermöglichen somit den Austritt und eine natürliche Belüftung. Der Dachüberstand verschattet den Ausstellungsraum nach Süd-Osten und verhindert eine ungewollte Aufheizung im Sommer.

Das Untergeschoss aus Stahlbeton nimmt die untergeordneten Funktionen auf. Die Lage des Kellers orientiert sich an der Minimierung der Schnittstellen mit den Fundamenten des Altbaus. Eine konstante Raumtemperatur und der Ausschluss störender Lichteinwirkungen im Kellergeschoss kommen der Lagerung von Exponaten zugute.