Ausgangslage – hochwertiger Bestand in weitläufiger Umgebung

Das 1907 errichtete und 1913 bzw. um 1918 veränderte «ehemalige Wohnhaus von Sebastian Buchegger» ist zentraler Bestandteil der 1907-1925 errichteten «Buchegger’schen Einfamilienhäuser - Colonie», die als Ensemble Thelottviertel in ihrer Eigenschaft als ältestes deutsches Beispiel einer Gartenstadt unter Denkmalschutz steht. Das historische Gesamtprojekt »Thelottviertel» ist unmittelbar mit der Biografie des 1870 in Singen am Hohentwiel geborenen, später in Augsburg tätigen Architekten Sebastian Buchegger verbunden. Dessen Entschluss, die in topografisch anspruchsvoller Lager (Überschwemmungsgebiet Wertach) konzipierte Siedlung ab 1905 als Bauunternehmer zu errichten, gab den Raum frei, ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept zu realisieren. Die Nachhaltigkeit des städtebaulichen Ansatzes führte zu einer Substanz, die heute zu den beliebtesten Stadtteilen in Augsburg zählt.

Für das Wohnhaus des Sebastian Buchegger ist neben der zurückhaltenden Formensprache im Sinne der Reformbewegung, der ursprünglich als Nutzgarten angelegte, mit seinem gut erhaltenen Streuobst-Baumbestand inzwischen parkartig wirkende Garten prägend. Gegenüber den benachbarten Gärten liegt dieser als aufgefülltes Terrain zwischen dem von der Thelottstrasse erschlossenen Wohnhaus im Norden und der südlich angrenzenden Schiessstättenstrasse.

Weiterbauen – Werterhalt und Betriebstauglichkeit

Das heute als «Architekturmuseum Schwaben» genutzte ehemalige Wohn- und Bürohaus der Familie Buchegger, war das erste freistehende Einzelhaus, das in der neuen Kolonie am Rosenauberg realisiert wurde. Es präsentiert sich auch heute noch als vornehmes Wohnhaus im Landhausstil und kann als «Nukleus» für die Entwicklung des gesamten Viertels angesehen werden. Davon ausgehend wird das «Buchegger’sche Wohnhaus» und heutige Architekturmuseum Schwaben in den Mittelpunkt der Überlegungen für eine Vergrösserung der Ausstellungs- und Betriebsflächen gestellt.

Nutzungsverteilung – Hierarchie zwischen Alt und Neu

Konkret heisst dies, dass das Architekturmuseum Schwaben nach wie vor über den repräsentativen Eingang an der Thelottstrasse betreten wird. Sämtliche öffentliche Geschosse des Altbaus, der Garten und der parallel zur westlichen Grundstücksgrenze verlaufende Erweiterungsbau werden barrierefrei über einen neuen, vom Seiteneingang erreichbaren Aufzug erschlossen. Das gut belichtete Dachgeschoss könnte ausgebaut und zukünftig als Büro genutzt werden. Im Erd- und 1.Obergeschoss werden die benötigten Räume für die Dauerausstellung, die Garderoben und die Toiletten angeboten. Im Gartengeschoss befinden sich neben Technik- und Lagerräumen auch der öffentliche zugängliche Seminar und Besprechungsraum sowie eine Teeküche, die über einen direkten Ausgang zum Garten verfügt und somit eine einfache Bewirtung der Aussenflächen ermöglichen könnte.

Erweiterungsbau – Keine Zukunft ohne Herkunft

Der Erweiterungsbau wird ebenerdig aus dem Gartengeschoss des Altbaus erschlossen. Die als Holzständerbau mit Satteldach und Betonsockel geplante Erweiterung entwickelt sich von der Südwestecke des Altbaus entlang der westlichen Grundstücksgrenze bis zur Schiessstättenstrasse. Durch die Miteinbeziehung des Altbaus in die Nutzungsverteilung konnten die erforderlichen Flächen im Erweiterungsbau und damit das Bau- und Kostenvolumen insgesamt stark reduziert werden. Der über ein «Gelenk» angeschlossene Erweiterungsbau beherbergt im vorderen Teil die Wechselaustellungsflächen an deren Ende ein Ausgang in den Garten angeboten wird. Der Garten selbst wird dadurch Teil des Ausstellungsrundgangs, der zum Altbau zurückführt. Er kann ebenfalls mit Exponaten bespielt werden. Im südlichen Ende des Erweiterungsbaus liegt das Ausstellungsdepot mit einer gedeckten, direkt von der Schiessstättenstrasse erschlossenen Anlieferungsmöglichkeit. Die «Besucher- und Warenströme» können damit entflochten und für einen reibungslosen Betrieb organisiert werden.

Konstruktiv besteht der Erweiterungsbau in den erdberührten Bereichen aus einem gedämmten Betonsockel und einem darauf aufgesetzten Holzbau mit kupfergedeckten Satteldach. Die mehrheitlich geschlossenen Fassaden bestehen aus einer hinterlüfteten Holzverschalung die mit grüner Lasur die Farbigkeit der vorhandenen Holzspaliere weiterführt. Die im Wechselausstellungsbereich grosszügig verglaste Ostfassade des Erweiterungsbaus stellt einen räumlichen Bezug zum Garten her. Er wird Teil der Ausstellung und stärker als bisher das räumliche Zentrum des gesamten Ensembles.

Umgebung – Reformgedanken schaffen Freiraum

Der Garten wird im «Buchegger’s chen Geiste» als Nutzgarten überarbeitet und stärker als bisher in die Ausstellungsaktivitäten integriert. Die asphaltierte Rampe an der Ostseite des Altbaus wird analog der historischen Situation durch eine Gartentreppe ersetzt. Direkt vor der Gartenfassade des Altbaus werden gepflasterte Aussenflächen für z.B. für Eröffnungsveranstaltungen oder eine Kaffeepause der Ausstellungsbesucher angeboten. Die direkt im Altbau angrenzende Teeküche ist hierbei sehr nützlich. Die südlich anschliessende Streuobstwiese und das etwas «verwachsene» südliche Ende des Gartens wird von «Wildwuchs» befreit, jedoch in seiner Grundausrichtung als Nutzgarten beibehalten. Dadurch bleibt einerseits die historische Intention der Buchegger’schen Selbstversorgung lesbar und andererseits bieten sich dadurch bereits genügend Gartenflächen für unterschiedliche Arten von Freiluftausstellungen und sonstigen Publikumsveranstaltungen.

Zukunft Architekturmuseum – Ort der Architekturvermittlung

Unser Vorschlag zielt darauf ab in den vorhandenen Räumen möglichst vielfältige und unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten anzubieten.

Die Räumlichkeiten können wie bisher genutzt werden: Im Bestandsbau sind die Büros für wissenschaftliche Tätigkeiten räumlich kombiniert mit einer Dauersaustellung in einzelnen, den Architekten zugeordneten „Kabinetten“ untergebracht. Im Erweiterungsbau finden aktuelle Wechselausstellungen statt.


Alternativ könnten die Räume auch anderweitig für Seminare oder Workshops genutzt werden und Vorträge stattfinden. Über die Bewirtungsmöglichkeit im Gartengeschoss gibt es Anreize den sonntagnachmittäglichen Kaffee im Garten der Villa zu geniessen und nicht nur ausschliesslich Architekturfreunde anzulocken.

Ziel sollte es sein, über ein entsprechendes Programm, in Villa und Garten zukünftig einen lebendigen Ort des Austausches zu etablieren