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In welchem Kontext steht das Augsburger Zentrum für Architektur?
- eine persönliche Annäherung

Die Einladung zu einer Mehrfachbeauftragung für die Planung der Erweite­rung des Buchegger-Hauses steht im Licht des Umbruchs und Neuanfangs des Architekturmuseum Schwaben und einer begleitenden kritischen Dis­kussion in der Öffentlichkeit.

Das Architekturmuseum Schwaben war seit seinem Beginn ein Ort der Dar­stellung regionaler und überregionaler Kunst und Architektur von herausra­gender Bedeutung. Der Bogen spannt sich von der historischen Dokumenta­tion der Lebensleistung wesentlicher Protagonisten regionaler Baukunst bis zur Präsentation zeitgenössischer Arbeiten von Peter Zumthor, Heinz Tesar, Thomas Herzog, Hermann Kaufmann u.a. Der architekturpreis allgäu und der thomaswechspreis wurden regelmäßig in der Bucheggervila gefeiert. Dazu kommt die Archivierung und Aufarbeitung der Nachlässe wichtiger Augs­burger Architekten wie z. B. Thomas Wechs, Wilhelm Wichtendahl, Walther Schmidt, Raimund von Doblhoff oder Karl Albert Gollwitzer und von Künst­lern, die am Bau tätig waren, wie z. B. Hans Härtel oder Hanns Weidner.

Das Buchegger-Haus ist ein authentisches Gebäude aus der Gründerzeit der Gartenstadt, in der es steht. Der große Garten war und ist ein wundervoller Ort für Kunstausstellungen, Architekturwochen und großartige Feste.

Das Architekturmuseum Schwaben fristet jedoch in letzter Zeit ein etwas agonisches Dasein. Der abgelegene Standort des Gebäudes im Thelottvier­tel war immer schon ein gewisser Nachteil, da Besucher nicht einfach so vorbei stolpern. Die Auflösung des Konflikts um die Ausrichtung des Muse­ums und der ausgelöste Findungsprozess eines inhaltlichen Neuanfangs ist notwendig, um das Architekturmuseum Schwaben als Ort der Forschung, Sammlung, Ausstellung und des Diskurs zukunftsfähig auszurichten.

Was braucht ein Museum, das ein Zentrum für Architektur in Schwaben und darüber hinaus sein will?

Die engen denkmalpflegerischen und städtebaulichen Vorgaben, eine Er­weiterung der Vila nur in einem schmalen Baufenster zuzulassen, bilden ein Korsett das eine angemessene Lösung für die Transformation des Hauses in ein lebendiges „Zentrum für Architektur“ im Thelottviertel verhindert. Unter diesen Vorzeichen bleibt gedanklich eigentlich nur eine Option. Nämlich der Verkauf des Grundstücks und ein Neuanfang an prominenter Stelle in Augs­burg oder anderswo in Schwaben.

Die vorgegebene Fläche, um das Buchegger-Haus durch einen direkten An­bau an der Südseite zu vergrößern, läst zunächst sehr wenig Spielraum zu, um eine funktional logische Lösung zu entwickeln, die alle Anforderungen an Ausstellungstechnik, Belichtung, Barrierefreiheit, Logistik und Lagerung, Denkmalschutz angemessen berücksichtigen kann.

Es fehlt der Raum, um eine Lösung zu entwickeln, die nicht in der Kleinteilig­keit einer zu kurz gedachten Erweiterung stehen bleibt, sondern das Fens­ter in eine prosperierende Zukunft für das Architekturmuseum Schwaben im Kontext der Augsburger und schwäbischen Museenlandschaft aufstößt.

Mut ist also gefordert in einer Stadt, die Bayerische Landesmuseen behei­matet und sich seit kurzem Unsesco-Weltkulturerbe nennen darf.

Ein Blick auf die Größe der Ausstellungsfläche vergleichbarer Orte in der Nachbarschaft ist ein erster Anhaltspunkt, wo die Reise hingehen muss.

Ausstellungsort Ausstellungsfläche
vai Vorarlberger Architektur Institut250,00 m²
Kunsthalle Kempten255,00 m²
aut. architektur und tirol 300,00 m²
Kunsthaus Marktoberdorf400,00 m²
Haus der Architektur BYAK420,00 m²
Heimatmuseum Sonthofen (in Planung)440,00 m²
Schloss Höchstädt (Architekturmodelle 2017)450,00 m²
Architekturmuseum TUM600,00 m²

Architektur ist die öffentlichste aller Künste

Augsburg braucht einen sichtbaren und lebendigen Ort für eine breit ange­legte und anhaltende Diskussion über die Entwicklung seiner Stadt. Zu lan­ge wurden Prozesse und ansehnliche Ergebnisse allenfalls in den dunklen Gängen der Verwaltung ausgehängt. Das Buchegger-Haus kann einer die­ser Ort sein, wo wichtige zeitgenössiche Projekte ausgestellt und diskutiert werden.

Wie stellen wir uns eine zukunftsfähige Baukultur vor, die Antworten gibt auf die vor uns liegenden Herausforderungen?

Das Architekturmuseum Schwaben kann neben seinem historisch regio­nalen dokumentarischen Anspruch seine Aufgabe auch als Vermittler ei­ner verantwortungsbewussten Baukultur im Spannungsfeld der globalen Entwicklungen sehen. Ökologie wird dabei zum Leitmotiv. Wir brauchen ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein für unsere Umwelt. Eine materi­al- und energieeffiziente Architektur aus gesunden Baustoffen mit kurzen Wegen unter Berücksichtigung der Rückbaubarkeit und Wiederverwendung über den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken.

Achtsamkeit für die Dinge. Ein Bewusstseinswandel für Stoffkreisläufe und den Verbrauch von dem, was wir hier auf der Erde haben um damit eine Aus­gewogenheit von Ökonomie, Ökologie und sozialen Bedürfnissen aller zu er­reichen.

Ein Verständnis für den Prozess des Bauens als das Werk von vielen. Ein gu­tes Bauwerk ist das Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation eines Teams, das auf Augenhöhe und mit Augenmaß in gegenseitigem Vertrauen und Res­pekt schafft. Das sind die Bauherren, Planer, Behörden und Handwerker.

Das Primat der Qualität. Gebäude, die wir in unserer Kultur erschaffen, zeichnen sich aus, durch eine Robustheit der Konstruktion und Lebensdauer der Baustoffe. Die Qualität entsteht dabei zuerst in der Architektur. In Bau­werken, die zukunftsfähig sind durch Wandelbarkeit und Anpassung. Das ist möglich. wenn nicht alles miteinander verklebt oder verbacken ist, wenn die Konstruktion und die Raumstruktur mit einem hohen Maß an Flexibilität er­dacht wird. Dazu braucht es Mut, neue Wege zu gehen und bestehende Nor­men und Ansprüche zu hinterfragen.

Zu guter Letzt ein Gespür für das Sinnliche, das entsteht, wenn ein Bauwerk mit einer ihm innenliegenden Logik entworfen wird. Dabei spielt das Forma­le, das Applizierte keine Rolle, sondern das ausgewogene Zusammenspiel von Raum, Struktur, Konstruktion, Material und Licht.

Unser Entwurf beschreitet bewusst den Weg jenseits der Grenzen der Aus­lobung, um auszuloten, wie ein zukunftsfähiges Zentrum für Architektur in Augsburg und Schwaben sein kann.