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Ein Museum im Garten der Buchegger-Villa

Das Entrée

Der musealen Nutzung entsprechend wird die Vorgartenzone des ehemaligen Wohnhauses als großzügige Willkommensgeste mit dem öffentlichen Raum verschmolzen. Museumsneubau und Buchegger-Villa spannen den Thelottplatz als öffentlichen Raum neu auf. In der Gartenstadt wird dieser zum identitätsstiftenden Ort und Treffpunkt, der vielfältige Nutzungen erlaubt. Der Haupteingang ist gut auffindbar, die Andienung des Museums funktioniert problemlos. Die übergroße Verkehrsfläche wird zugunsten einer großzügigen Grüninsel reduziert. Diese ist gegenüber dem Straßenniveau um einen knappen halben Meter angehoben und allseitig von einer umlaufenden Sitzmauer gefasst. Die vorhandene Plastik von Sepp Marstaller bekommt ihren neuen Platz unter einer schützenden Gruppe aus weißblühenden Kirschbäumen. Für die überfahrbaren Platzränder und den Eingangsbereich wird wie im Garten Granitbelag vorgeschlagen.

Städtebau

Alt und neu, die Buchegger-Villa in ihrer Eigenständigkeit zu belassen und mit dem neuen Museum auf der Höhe seiner Zeit und in übergeordneter Nutzung ablesbar zu verbinden, darin besteht die Aufgabe, die zweifellos Brüche erzeugt, aber Neues und Verbindendes schafft. Weil das Museum eine Sondernutzung zum Inhalt hat und es im Kontext einer denkmalgeschützten Anlage steht, dürfen Festsetzungen und Kriterien des Städtebaus interpretiert werden. In unserem Fall schiebt sich ein flacher Riegel anstelle der ehemals gedachten doppelreihigen mit Bäumen gesäumten Durchwegung. Dieser Riegel ist an die Straße gerückt, um gesehen zu werden und eine Kante für einen Vorplatz auszubilden, der der Maßstäblichkeit des Vorhandenen gerecht wird.

Am Erker des Bestandes, der durch die Freistellung erstmals ablesbar ist, dockt er auf ganzer Breite, aber nur zweigeschossig im Erd- und Untergeschoß an.

Die Buchegger-Villa ist mit ihrem Garten nicht nur verwoben. Sie bildet in der historischen Anlage das Zentrum, auf die der Garten ausgerichtet ist. Umso wichtiger wird daher die Südseite. Die Freihaltung dieser Seite und die Beibehaltung der Einbindung des Hauses in den Garten rechtfertigt den seitlichen Eingriff. Er bildet den Rücken für einen Gartenhof, der viel genutzt und gerne bespielt wird.

Eigenständig, den Raum gliedernd, bleibt die Villa fast ungestört und tritt durch einen proportionierten, niedrigen Baukörper in einen spannungsreichen Dialog, der die Unverwechselbarkeit des Ortes stärkt. Die strukturelle Klarheit des Ensembles wird beibehalten und erfährt mit dem neuen Museum, eingebettet in den grünen Außenraum der Gartenstadt und angebunden an den öffentlichen Raum neue Bedeutung.

Erschließung, Barrierefreiheit

Mit der Verschiebung des bestehenden Platzes nach Westen entsteht für die Buchegger-Villa und das Museum eine gemeinsame Vorzone. Beide Häuser sind jetzt Teil des Thelottplatzes. Sie können getrennt voneinander erschlossen werden und funktionieren besonders gut in der Einheit. Das neue Museum öffnet sich straßenseitig nach Osten zum Eingang der Villa hin, gartenseitig wird es über eine Freitreppe an den Gartenhof angebunden. Barrierefrei wird dieser über einen Aufzug erreicht.

Der Dialog der beiden Häuser, verbunden mit dem Platz und verknüpft über die transparente Schnittstelle, findet im Inneren mit der Öffnung des Erkers zum Neubau hin seine Entsprechung: diese Öffnung schafft eine der Bedeutung adäquate Verbindung von einem Ausstellungsbereich in den anderen. Über den Aufzug ist nun auch die Villa barrierefrei. Der Garten als öffentlicher Raum und Kunstraum bleibt mit den Gebäuden verbunden. Die bewährte Nutzung für Fest und Ausstellung wird übernommen und sensibel geordnet.

Raumqualität und Raumfolgen

Die Stärke der Räume und der Raumfolgen lässt sich in der Gartenstadt nicht ohne Verbindung von innen und außen denken. Vermutlich ist das der Grund, warum man sich ein weitgestecktes Foyer und vielseitige Bezüge nach draußen wünscht. Betreten wir das neue Museum, sind wir sofort orientiert. Ein Blick in den Süden, der Blick zur Villa, der Blick in den Baumbestand des Nachbargartens. Selbst in diesem, was seine Größe betrifft, bescheidenen Museum kann durch Länge und eine gewisse Enge eine Dramaturgie entstehen, die Lust auf Neues erzeugt. Baulich verzahnt bleiben Bestand und Erweiterung eigenständig und dennoch verbunden. Dem Personal an der Schnittstelle ist die Übersicht über die Ausstellungsbereiche ermöglicht.

Während die Raumfolgen im Buchegger-Haus nahezu radial angeordnet sind ordnen sich im neuen Museum die Räume linear. Dessen Stärke liegt in der flexiblen Nutzung. Ein großes Foyer, das vieles kann: es kann als Kunstraum bespielt werden, den Seminarbereich zuschalten, temporär ein kleines Café anbieten, Gäste in großem Maßstab bewirten. Im Untergeschoss liegt der Fokus auf der Ausstellung. Hier steht ein großer Raum zur Verfügung, der mit mobilen Wänden je nach Ausstellungsinhalt zoniert werden kann. Wände und Decken sind frei von Haustechnik.

Der Garten, das Herzstück

Durch die randliche Setzung des Erweiterungsbaus bleibt der Garten als Herzstück des Ensembles weitestgehend erhalten. Seine Kraft bezieht er aus der Weite, dem ruhigen Wiesencharakter und der raumprägenden Kulisse des angrenzenden Wittelsbacher Parks. Der typische Sichtbezug zwischen Buchegger-Villa und Garten existiert weiterhin. Die Südfassade des Baudenkmals wird nicht angetastet.

Von Gebäuden gerahmt, bietet die Rasenfläche des unteren Gartenhofs wie gewohnt die Möglichkeit zum Abhalten des Sommerfestes. Eine steinerne Sitzkante gliedert das Grundstück topographisch und dient dem Verweilen. Das obere Gartenniveau hat einen kontemplativen Charakter. Hier finden die Museumsbesucher Sitzangebote. Die Wiese kann als Ausstellungsfläche genutzt werden. Gegenüber dem öffentlichen Raum ist der Garten durch ein Tor bzw. einen Zaun auf der Westseite abgeschlossen.

Für sämtliche Wegeflächen wird als einheitliches Belagsthema Granitpflaster vorgeschlagen. Der Garten kann über die Thelottstraße und die Schießstättenstraße angedient werden.